Hinter den Kulissen


Unsere Projekte realisieren wir sowohl mit internationalen als auch mit lokalen Partnern. Wir setzen dabei bewusst auf partizipative Prozesse, um neue und differenzierte Perspektiven zu gewinnen. Auf dieser Seite stellen wir Projekte, aber auch einfach Begegnungen aus unserem Arbeitsalltag vor.




Die Pataxó und die Sammlung Prinz Max zu Wied



Zwei Mitglieder der indigenen Gruppe der Pataxó, Maria das Neves da Conceição Alves dos Santos und Raoni Braz Vieira, haben in Begleitung des brasilianischen Ethnologen Thiago Mota Cardoso im September 2017 unser Museum besucht. Ihr Anliegen war und ist es, die vermutlich ältesten noch existierenden Objekte ihrer Kultur zu sichten und gemeinsam mit uns zu entschlüsseln. Prinz Maximilian zu Wied-Neuwied sammelte die Waffen und Taschen, die sich heute in unserer Sammlung befinden, von Jägern in den Jahren 1815 bis 1817.

Ebenfalls im Rahmen des Besuchs fanden zwei Gespräche mit den Gästen statt: über die Sammlung, über die Zukunft des Regenwaldes und die Kultur sowie die aktuelle Situation der Pataxó.

N'txuva - ein afrikanisches Spiel



N’txuva ist die in Mosambik am häufigsten verwendete Bezeichnung für ein altes afrikanisches Spiel, das sich bis in Teile Asiens und Europas verbreitet hat und je nach Region auch unter anderen Bezeichnungen (häufig Mancala) bekannt ist. Afonso Manguele und Olimpio Alberto, beide gebürtige Mosambikaner und Mitglieder des ABRAC, haben unseren Schreiner Albert Heide bei der Anfertigung eines N’txuva-Brettspieles angeleitet. Herr Manguele und Herr Alberto werden uns während des Afrika-Tages im Linden-Museum am 21.5.2017 beibringen, wie N’txuva gespielt wird. Auf dem Bild sehen Sie den gebürtigen Nigerianer Ekarika Nana Obot dabei, wie er als einer der ersten das neuangefertigte N’txuva-Spielbrett in der Museums-Werkstatt begutachtet. In seiner Muttersprache (Ibibio) wird das Spiel Nsa genannt.

fußnoten / Audio-Walk



Michael, ein Künstler aus Deutschland, und Snake, ein Künstler aus Kamerun, sind auf (post-)kolonialer Spurensuche in Stuttgart/Deutschland und Yaoundé/Kamerun. Ihre Worte ergänzen, widersprechen, unterbrechen und kommentieren sich: Wie können Deutschland und Kamerun ihr gemeinsames Erbe gen Zukunft gestalten? Wie können wir uns heute begegnen? Ihre Tour erzählt eine unerledigte Kolonialgeschichte.

Michael und Snake sammelten auf ihren Streifzügen durch Stuttgart - unter anderem auch im Linden-Museum - und Yaoundé verschiedene Gedanken und Geschichten, aus denen Tina Saum/flanerie gemeinsam mit SWR2 Tandem ein Hörspiel produzierte.

Der Audio-Walk zum fußnoten-Projekt lädt dazu ein, verschiedene Orte mit (post-)kolonialen Spuren in Stuttgart oder Yaoundé selbst kennen zu lernen und eigene Geschichten mit diesen Orten zu verknüpfen.

Link zum Audio-Walk

Día de los Muertos



Seit 2011 feiern wir jedes Jahr am 1. November den Día de los Muertos, den mexikanischen Tag zum Totengedenken. Gemeinsam mit der Community vor Ort organisieren wir das Fest - vom Aufbau einer Ofrenda (Gabentisch) über das kulinarische Angebot bis hin zu Tänzen. Aus Anlass des "Dualen Jahres Mexiko - Deutschland" schuf 2016 die in Berlin lebende mexikanische Künstlerin Vanessa Enríquez eine spektakuläre Installation aus "Papeles gigantes" in unserem Saal. Auch die Ofrenda wurde diesmal von ihr gestaltet. Das Kunstprojekt wurde von der Botschaft von Mexiko großzügig finanziert.

Advisory Board for the Representation of Africa Collections (ABRAC)



Das Linden-Museum Stuttgart gründete am 1. Juli 2016 einen Beirat, der sich mit der künftigen Präsentation der Afrika-Sammlungen im Museum befasst. Das "Advisory Board for the Representation of Africa Collections" (ABRAC) setzt sich aus Stuttgartern afrikanischer Herkunft zusammen. Sie stammen aus Ländern, die regionale Schwerpunkte in der Sammlung bilden: Kamerun, Kongo, Mosambik, Nigeria.

ABRAC diskutiert mit dem Museum eigene Perspektiven auf das historische Erbe und gegenwärtige Bewegungen in Afrika im Hinblick auf die Planung der neuen Ausstellung. Erklärtes Ziel ist es, in einem partizipativen Prozess Mehrstimmigkeit und verschiedene Perspektiven in die künftige Sammlungspräsentation einzubringen.

Gründungsmitglieder von ABRAC sind Olimpio Alberto, Nzimbu Mpanu-Mpanu-Plato, Samuel Obot, Felix Saka, Natacha Tchoumi Pettie sowie Sandra Ferracuti, Afrika-Referentin des Museums.

"Model" aus Kamerun



Im April 2016 war der junge Dichter und Performer Stone Karim Mohamad, ein Stuttgarter aus Yaoundé (Kamerun), im Museum. Er bat Annie (im Foto) für ihn in einem visuellen Narrativ zu modeln. In diesem Foto, "bewohnt" Annie temporär die museale Rekonstruktion eines kamerunischen Hauses. Sie kam nicht nur ins Museum, um ihre kulturellen Wurzeln zu erforschen, sondern auch um einzuladen, es ihr gleich zu tun: Das Museum als Ort, der alle Stuttgarter verbindet und an dem Geschichten geteilt werden.

Residency Prof. Dr. Leah Enkiwe Abayao, Philippinen



Von Oktober bis Dezember 2015 war Prof. Dr. Leah Enkiwe Abayao zu Gast im Referat Süd- und Südostasien des Linden-Museums. Prof. Enkiwe Abayao zählt sich zur indigenen Gruppe der Ifugao aus dem Kordilleren-Gebirge der Insel Luzon, wuchs in einem traditionellen Ifugao-Dorf auf und ist derzeit Direktorin des Cordillera Studies Center an der Universität der Philippinen in Baguio (Luzon).

Prof. Enkiwe Abayao befasste sich während ihres Aufenthaltes mit den Sammlungen des Linden-Museums aus ihrer Heimatregion und entwickelte das Konzept für eine interaktive virtuelle Ausstellung dieser Sammlungen im Dialog mit Dr. Georg Noack, dem Süd- und Südostasienreferenten des Linden-Museums, um so diese Sammlungen und ihre nicht unproblematische Geschichte der Öffentlichkeit zu präsentieren und auch den Herkunftsgesellschaften in den philippinischen Kordilleren als Ressource zugänglich zu machen. Dabei wurde gemeinsam entschieden, dass die Objekte, soweit möglich, mit ihren indigenen Namen benannt und nach traditionellen kulturellen Kontexten der Menschen in den Kordilleren geordnet werden, nicht nach von außen zugeschriebenen Kategorien der europäischen Wissenschaft. Alle Texte über die kulturellen Kontexte sowie alle Beschreibungen und Interpretationen der Objekte stammen von Prof. Enkiwe Abayao. Wir erfuhren in diesem Prozess viel über die Objekte, die wir in unserer Obhut bewahren dürfen. Wir reflektierten kritisch darüber, wie diese Objekte zu uns gelangt sind und wurden bestärkt in unserer Entschlossenheit, nicht nur unsere Sammlungen für Menschen aus ihren Herkunftsgesellschaften und ihrer Diaspora zugänglich zu machen, sondern auch unsere Interpretationshoheit mit ihnen zu teilen. Während ihres Aufenthaltes wurden auch verschiedene Veranstaltungen mit der philippinischen Diaspora und für das Stuttgarter Publikum durchgeführt, um das Projekt, die Sammlungen und ihre Geschichte aber auch die Situation indigener Völker in den Philippinen der interessierten Öffentlichkeit nahezubringen.

Prof. Enkiwe Abayaos Aufenthalt im Linden-Museum und die Umsetzung dieser virtuellen Ausstellung wurden im Rahmen des von der EU-finanzierten Projektes "SWICH - Sharing a World of Inclusion, Creativity and Heritage" möglich.

Virtuelle Ausstellung: www.cordilleran-collection.de

Rave-Stipendiatin Cherry Thinn, Myanmar



Cherry Thinn, Assistant Curator am Nationalmuseum von Myanmar in der myanmarischen Hauptstadt Naypyitaw, war von Februar bis April 2014 als Stipendiatin der Alexander Rave Stiftung zu Gast im Referat Süd- und Südostasien des Linden-Museums. In dieser Zeit war sie in alle Bereiche der kuratorischen Ausstellungsvorbereitung der Sonderausstellung "Myanmar: Das Goldene Land" involviert und hat durch ihre Ideen, Objektinterpretationen sowie Katalog-, Ausstellungsext- und Medienbeiträge die sehr erfolgreiche Sonderausstellung mit geprägt. Während wir von Cherry Thinn viel über die Objekte und ihre kulturellen Kontexte erfuhren, brachte die Mitarbeit in der praktischen Ausstellungsplanung auch ihr zahlreiche neue Erfahrungen und Erkenntnisse, die inzwischen in die Gestaltung der Ausstellungen des neueröffneten Nationalmuseums in Naypyitaw eingeflossen sind.

Rave-Stipendiaten aus Peru

     

Im Vorfeld der Großen Landesausstellung "Inka - Könige der Anden" (2013/14) hatten wir das Glück zwei Rave-Stipendiaten aus Peru für jeweils vier Monate im Museum zu beherbergen. David Oshige Adams, Archäologe mit Forschungsschwerpunkt peruanisches Hochland, war aktiv in die Vorbereitung inklusive Objektauswahl eingebunden. Zum Katalog steuerte er den Beitrag "Inca Viracocha - Die erste Expansion an den Titicacasee" bei. Zudem arbeitete er auch am Katalog für die Ausstellung "Zeitgenossen des Keltenfürsten aus vier Kontinenten" im Keltenmuseum Hochdorf mit. Isabel Collazos leistete wertvolle Arbeit bei der Analyse von Textilien und fertigte die Objektbeschreibungen für diese in der Ausstellung an.

Katsina-Zyklus

      

Katsina-Figuren veranschaulichen den Lebens- und Jahreszyklus der Hopi (Arizona). Sie stehen symbolisch mit den Lebensphasen, von der Geburt bis zum Tod, in Verbindung. Künstler Steve Wikviya LaRance (Hopi/Assiniboin) gestaltete mit Figuren aus unserer Sammlung für die Große Landesausstellung "Weltsichten" eine anschauliche Visualisierung dieses komplexen Zyklus. 

Merhaba Stuttgart

 


Anlässlich des 50. Jahrestages des deutsch-türkischen Anwerbeabkommens präsentierten wir von 5. Juni bis 18. Dezember 2011 die Sonderausstellung „Merhaba Stuttgart“. Die Ausstellung entstand in Kooperation mit dem Planungsstab Stadtmuseum und dem Deutsch-Türkischen Forum und wurde von der Robert Bosch Stiftung gefördert.

Die Menschen, die mit Unterzeichnung des Anwerbeabkommens zwischen Deutschland und der Türkei 1961 nach Stuttgart kamen, haben den Alltag hier stark verändert. Die Ausstellung "Merhaba Stuttgart" blickte auf ein halbes Jahrhundert deutsch-türkischer Stadtgeschichte und zeigte Ausschnitte aus vier Generationen schwäbisch-türkischen Miteinanders.

Über 100 Interviews, die von Schülern der Schillerschule Bad Cannstatt und des Wirtschaftsgymnasiums West gesammelt wurden, berichteten aus dem Leben von Stuttgarter Bürgern mit türkischen Wurzeln. Persönliche Erinnerungsstücke und Fotografien erzählten Geschichten von Menschen, die sich auf den Weg aus der Türkei ins Ländle gemacht haben und von Gästen zu Bürgern wurden.

Ein besonderes Geschenk



Jim Poitras, Cree, Lakota und Métis aus Saskatchewan, besitzt nach kanadischem Recht keinen Status als Indianer. Er steht für viele Indigene, die in "weißen" Pflegefamilien aufwuchsen. Heute bieten ihnen Powwow-Tanzfeste Gelegenheit, ihre indianische Herkunft zu feiern. Im Mai 2009 vermachte Jim Poitras (Hehaka-to-hoksina/Blue Elk Boy) nach langjähriger Zusammenarbeit seine Powwow-Tanzkleidung dem Linden-Museum. Vor den Augen der Öffentlichkeit stellte er jedes Stück in seiner Bedeutung und Herkunft vor. In der Großen Landesausstellung "Weltsichten" gestaltete er mit Nordamerika-Referentin Dr. Sonja Schierle hierzu auch ein Modul.

Bootsbauer aus Yap



Für die Ausstellung "Südsee-Oasen" (2009/10) wurde ein traditionelles Auslegerkanu von Yap ins Linden-Museum überführt. Für den Transport wurde das Boot von seinem Ausleger getrennt, gleichermaßen wurden Bug und Heck entfernt. Der Bootsbaumeister und Häuptling Bruno Tharngan, der Navigator Ali Haleyalur sowie die beiden Assistenten Nicholas Gamagag und Alfred Amthum setzten es wieder zusammen, dichteten es ab und versetzten es in segeltüchtigen Zustand. Zusätzlich vermittelten sie uns wertvolles Wissen über traditionelle Navigationstechniken.