Mensch-Ding-Verflechtungen

Forschungsprojekt über intra- und transkulturelle Prozesse objektbasierten Wissensaustauschs in den Guyanas

Eine besonders qualitätsvolle Sammlung von Ritualobjekten und Alltagsgegenständen aus dem nördlichen Amazonasgebiet, die im Jahre 2011 aus Mitteln des Zentralfonds angekauft werden konnte, dient, zusammen mit älteren Beständen aus dieser Region als Grundlage für ein 800.000 Euro umfassendes Forschungsprojekt. Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung finanzierte Projekt wurde federführend von der Abteilung für Altamerikanistik mit der Bonner Altamerika-Sammlung (Institut für Archäologie und Kulturanthropologie) der Rheinischen Universität Bonn entworfen und trägt den Titel: „Mensch-Ding-Verflechtungen in indigenen Gesellschaften: intra- und transkulturelle Prozesse objektbasierten Wissensaustauschs in den Guyanas“.

Das Linden-Museum ist in diesem Projektpartner neben dem Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Das Museum der Kulturen Basel sowie das Ethnologische Museum Berlin sind ebenfalls, wenngleich nicht als Partner, an dem Projekt beteiligt. Die Basis der Untersuchungen sind die wichtigsten Rituale der in Brasilien, Surinam und französisch Guyana lebenden Gruppe der Apalai-Wayana. Anhand der Ritualobjekte sowie von Alltagsgegenständen soll unter Einbeziehung von Archiv-, Ton,- Foto- und Filmmaterial die Bedeutung von Wissensproduktion und –zirkulation herausgearbeitet werden. Die dieser Vorgehensweise zu Grunde liegende Annahme ist, dass mit der Generationen übergreifenden Weitergabe von Ritualobjekten auch Wissen transferiert wird. Wie das genau funktioniert und welche äußeren Einflüsse integriert werden, ist Gegenstand des Projektes. Die wissenschaftliche Durchführung obliegt Dr. Beatrix Ihde sowie zwei Doktorandinnen der Universitäten Bonn und Frankfurt a. M.

Besonders hervorzuheben ist, dass es sich bei diesem Projekt um ein partizipatives Projekt handelt, in dem vor allem auch das Wissen, die Klassifikationssysteme und Interpretationen der Apalai-Wayana einfließen werden. Eine Objektdatenbank der Apalai-Wayana-Objekte aus verschiedenen Sammlungen wird gemeinsam mit Vertretern der Apalai-Wayana erarbeitet. Die Voraussetzung für dieses partizipative Vorgehen sind längere Feldforschungsaufenthalte der verantwortlichen (oder beteiligten) Wissenschaftlerinnen. Das Projekt beginnt im April 2015 und hat eine Laufzeit von drei Jahren.

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Pressefotos



Ritual-Tanzmaske der Apalai-Wayana, erworben in Brasilien 1976, Sammlung Peter S. Duschl. Material: Federn, Baststreifen, Käferflügel, Palmrippenstreifen der Miriti-Palme. Maße: H 210 cm; B 150 cm; T: 100 cm. Copyright: Linden-Museum Stuttgart, Foto: A. Dreyer, Inv.-Nr. M 36426 L | Download

 

Kleine Hand-Tanzmaske der Apalai-Wayana, erworben in Brasilien 1976, Sammlung Peter S. Duschl. Material: Federn, Baststreifen, Käferflügel, Palmrippenstreifen der Miriti-Palme. Maße: H 120 cm; B 30 cm; T: 80 cm. Copyright: Linden-Museum Stuttgart, Foto: A. Dreyer, Inv.-Nr. M 36425 L | Download



Ritualmaske Tamokó der Apalai-Wayana, erworben in Brasilien 1976, Sammlung Peter S. Duschl. Material: Palmrippenstreifen der Miriti-Palme, Bienenwachs, Baumbast. Mit Schlamm gefärbt. Maße: H 144 cm; B 24 cm; T: 22 cm. Copyright: Linden-Museum Stuttgart, Foto: A. Dreyer, Inv.-Nr. M 36203 L | Download