Schwieriges Erbe

Die Ausstellung "Schwieriges Erbe. Linden-Museum und Württemberg im Kolonialismus" sollte ursprünglich am 26.11.2020 eröffnet werden. Da dies pandemiebedingt nicht möglich war, haben wir uns entschieden, Teile unseres umfangreichen Begleitprogramms im Vorfeld der Öffnung der Ausstellung digital zu veranstalten. Auch weiterhin werden wir virtuelle Veranstaltungen anbieten. In dieser Mediathek präsentieren wir Aufzeichnungen dieser Veranstaltungen.

Vortrag von Dr. Heiko Wegmann
26. März 2021


1926 übernahm eine Einheit der württembergischen Landespolizei die „Traditionswahrung“ der Polizei der ehemaligen deutschen Südseekolonien. Sie war fortan Teil der regionalen Kolonialbewegung. Eng damit verbunden ist die Geschichte der Südsee-Gedenktafel, die der Bewegung lange als „Pilgerort“ diente. Sie hing erst an der Moltkekaserne in Stuttgart, ab 1967 an einem Bundeswehr-Gebäude und befindet sich seit 2019 in Ludwigsburg.

Dr. Heiko Wegmann ist Historiker und Kurator der Ausstellung "Schwieriges Erbe. Linden-Museum und Württemberg im Kolonialismus".

In Kooperation mit der Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde e. V. sowie im Rahmen von "HEIMAT - Internationale Wochen gegen Rassismus Stuttgart"    

© Linden-Museum Stuttgart

Im Selbstbedienungsladen: Über kulturelle Aneignung

Werkstattgespräch
17. März 2021


Mit Dr. Mahret Ifeoma Kupka und Dr. Nina Reuther

Moderation: Anna Lampert, Forum der Kulturen Stuttgart


Während sich Pop und Mode an kulturellen Ausdrucksformen von People of Color und indigenen Gruppen oft ungefragt und unreflektiert bedienen und damit Geld verdienen, kommt vom Glamour und Prestige bei den Urheber*innen meist nichts an. Auch wir als Konsument*innen müssen uns fragen: Weiß ich eigentlich, was ich anziehe und kann ich mir alles aneignen, was ich möchte? Wir diskutieren über weiße Dominanzkultur, "indigenous copyright" und die Frage: Was geht – und was geht nicht?

Dr. Mahret Ifeoma Kupka ist Kunstwissenschaftlerin, freie Autorin und seit 2013 Kuratorin für Mode, Körper und Performatives am Museum Angewandte Kunst in Frankfurt am Main. In ihren Ausstellungen, Vorträgen, Texten und interdisziplinären Projekten befasst sie sich mit den Themen Rassismus, Erinnerungskultur, Repräsentation und der Dekolonisierung von Kunst- und Kulturpraxis in Europa und auf dem afrikanischen Kontinent. Sie ist Beiratsmitglied der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland (ISD) e.V. und Sprecherin der Neuen Deutschen Museumsmacher*innen. Sie studierte Volkswirtschaftslehre in Heidelberg sowie Kunstwissenschaft/Medientheorie, Philosophie und Ausstellungsdesign an der Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe, wo sie 2015 mit einer Dissertation zum Thema “Modeblogs und der Mythos der Revolutionierung der Mode” promovierte.

Dr. Nina Reuther ist als unabhängige Wissenschaftlerin in den Bereichen Kulturwissenschaften sowie der Musik- und Rechtsethnologie tätig und beschäftigt sich seit den 1980er Jahren eingehend mit indigenen Kulturen und Denkweisen. Ihre Forschungen konzentrieren sich u. a. auf indigene Zugangsrechtssystemstrukturen zu materiellen und immateriellen Kulturgütern und deren Unterschiede zu europäischstämmigen Systemen. Seit 30 Jahren verbringt sie regelmäßig Zeit bei und mit der Secwepemc Nation in British Columbia/Kanada und fungiert in Europa regelmäßig als Dolmetscherin für indigene Delegierte und Künstler*innen. Zudem ist sie freischaffend als Kulturvermittlerin für verschiedene Organisationen tätig, u. a. das North America Native Museum (NONAM) in Zürich.

Im Rahmen von "HEIMAT - Internationale Wochen gegen Rassismus Stuttgart"

© Linden-Museum Stuttgart

Digitale Ausstellungseröffnung

15. März 2021

In der Werkstattausstellung werden die historischen Ereignisse rund um die Gründung des Linden-Museums sowie Württemberger Akteur*innen des Kolonialismus in den Blick genommen, koloniale Spuren bis in die Gegenwart aufgezeigt und Sichtweisen sowie Erinnerungskultur kritisch befragt.

Zur Eröffnung sprechen Kunststaatssekretärin Petra Olschowski und Kulturamtsleiter Marc Gegenfurtner Grußworte. Direktorin Prof Dr. Inés de Castro, die Kuratoren Markus Himmelsbach und Dr. Heiko Wegmann sowie Rosalie Möller und Mike Schattschneider (Museumsvermittlung) geben Einblicke in das Konzept und die Themen der Ausstellung. Und Sie können sich auch einbringen und Fragen an das Ausstellungsteam stellen.

© Linden-Museum Stuttgart

Verantwortung und Gerechtigkeit: Über den Umgang mit kolonialer Vergangenheit

Werkstattgespräch
24. Februar 2021


Mit Prof. Dr. Ina Kerner und Prof. Dr. Henning Melber

Moderation: Susanne Babila, SWR

Ina Kerner und Henning Melber diskutieren über politische und ethische Dimensionen von Schuld, Verantwortung und Gerechtigkeit im Blick auf die Kolonialzeit.

Ina Kerner ist Professorin für „Dynamiken der Globalisierung“ und Leiterin des Seminars Politische Wissenschaft des Instituts für Kulturwissenschaft an der Universität Koblenz-Landau, Campus Koblenz. Im laufenden Wintersemester ist sie Fellow am Zentrum für Interdisziplinäre Forschung (ZiF) in Bielefeld, wo sie einer internationalen Forschungsgruppe zum Thema „Global Contestations of Women’s and Gender Rights“ angehört. Seit Jahren ist sie ferner mit Fragen des europäischen Kolonialismus und seiner Kontinuitäten und Spätfolgen befasst. 2017 erschien die dritte Auflage ihres Buches „Postkoloniale Theorien zur Einführung“ im Junius-Verlag.

Henning Melber, geboren in Stuttgart, kam 1967 nach Namibia, wo er 1974 der Befreiungsbewegung SWAPO beitrat. Er ist Politikwissenschaftler und Entwicklungssoziologe, leitete von 1992 bis 2000 die Namibian Economic Policy Research Unit in Windhoek, und war danach in Uppsala/Schweden Forschungsdirektor des Nordic Africa Institute (2000 – 2006) und Direktor der Dag Hammarskjöld Stiftung (2006 – 2012). Beiden bleibt er beratend verbunden. Er ist Professor an den südafrikanischen Universitäten in Pretoria und des Freistaats in Bloemfontein, Senior Research Fellow am Institute for Commonwealth Studies der Universität London und Präsident der European Association of Development Research and Training Institutes. 2017 veröffentlichte er gemeinsam mit Reinhart Kößler die Publikation „Völkermord – und was dann? Die Politik deutsch-namibischer Vergangenheitsbearbeitung“.

In Kooperation mit dem Hospitalhof Stuttgart

© Linden-Museum Stuttgart

Nofretete will nicht heim!

Vortrag von Anna Valeska Strugalla
5. Februar 2021


Anna Valeska Strugalla (Universität Tübingen) beleuchtet die Aushandlung der Restitutionsfrage in den 1970er und 1980er Jahren - unter besonderer Berücksichtigung der Rolle des Linden-Museums und seines damaligen Direktors Friedrich Kußmaul.

Die Frage nach dem Umgang mit musealen Objekten aus kolonialen Kontexten beschäftigt die bundesdeutsche Museumswelt nicht erst seit der Debatte um das Humboldt-Forum. Bereits in den 1970er Jahren diskutierte man unter Fachleuten, aber auch in den großen Tageszeitungen und in der Kulturabteilung des Auswärtigen Amts über Rückgabeforderungen und Kulturgut.

In Kooperation mit der Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde e. V.

© Linden-Museum Stuttgart

Beziehungsgeschichte(n) der Mission

Vortrag von Dr. Margret Frenz
22. Januar 2021


"Beziehungsstatus: Es ist kompliziert": Dies trifft auch auf die in der Mission geknüpften Beziehungen zwischen Europa und anderen Kontinenten zu. Neben dem Anspruch des gleichberechtigten Austauschs steht die Durchsetzung des Überlegenheitsanspruchs europäischer Missionar*innen. Der Vortrag beleuchtet verschiedene Aspekte von Beziehungsgeschichte(n) der Mission zwischen Europa, Südasien und Afrika.

Dr. Margret Frenz ist Heisenberg-Stelleninhaberin am Historischen Institut der Universität Stuttgart. GloBe – ihr Forschungsprojekt – steht für „Globalisierung von unten: Zirkuläre Migration zwischen Südasien und Afrika, ca. 1850–2000“.

In Kooperation mit der Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde e. V.

© Linden-Museum Stuttgart

Koloniales Erbe in der Stadt

Werkstattgespräch
13. Januar 2021


Koloniale Straßennamen und Denkmäler gab und gibt es in Stuttgart. Welche Geschichte erzählen sie? Wessen Perspektiven werden dabei berücksichtigt oder ausgeblendet? Wie sollte heute mit ihnen umgegangen werden? Sollten Straßen umbenannt und Denkmäler abgerissen werden? Oder sollten sie so belassen, kommentiert, ergänzt, umgesetzt, eingelagert, in Museen ausgestellt oder umgewidmet werden? Braucht es Anti-Kolonialdenkmäler?

Impuls-Vortrag: Markus Himmelsbach, Linden-Museum Stuttgart

Diskussionsrunde mit:
Tahir Della und Nadine Seidu
, Initiative Schwarze Menschen in Deutschland
Carina Flaig und Kousar Qasim, Black Community Foundation Stuttgart
Marc Gegenfurtner, Leiter des Kulturamts der Landeshauptstadt Stuttgart
Dr. Joachim Zeller, deutsch-namibischer Historiker, Berlin

Moderation: Regina Sarreiter

In Kooperation mit dem Stadtarchiv Stuttgart

Stuttgarts koloniale Vergangenheit

Vortrag von Markus Himmelsbach
11. Dezember 2020


Welche kolonialen Vereine, Unternehmen oder Institutionen gab es in Stuttgart? Wo und wann fanden koloniale Ereignisse, Ausstellungen oder Veranstaltungen statt? Markus Himmelsbach präsentiert in seinem Vortrag eine Auswahl bedeutender Orte für Stuttgarts Kolonialgeschichte, deren koloniale Vergangenheit heute nicht mehr sichtbar ist.

Markus Himmelsbach ist Provenienzforscher im Linden-Museum Stuttgart und einer der Kuratoren der Ausstellung "Schwieriges Erbe. Linden-Museum und Württemberg im Kolonialismus".

In Kooperation mit der Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde e. V.

© Linden-Museum Stuttgart