Stuttgarter Communiqué

zum Dialogtreffen: Kamerun und Deutschland

Elf deutsche Museen der Weltkulturen, Delegierte des interministeriellen Komitees für die Rückführung illegal ausgeführter Kulturgüter sowie Vertreter:innen traditioneller Königshäuser aus Kamerun sprachen im „Dialogtreffen: Kamerun und Deutschland“ im Linden-Museum Stuttgart vom 14. bis 16. Januar 2024 über mögliche Wege der Rückgabe von Kulturgütern nach Kamerun sowie über eine nachhaltige Zusammenarbeit. Am Treffen nahmen von deutscher Seite Vertreter:innen der Museen aus Berlin, Bremen, Braunschweig, Frankfurt, Hamburg, Hannover, Köln, Leipzig, Mannheim, München und Stuttgart teil. Dabei wurde folgendes vereinbart:

1. Förderung der Rückgabe von Kulturgütern

Die Teilnehmenden bekunden ihre Absicht, in einem gemeinsamen Vorgehen die Rückgabe von Kulturgütern aus Kamerun zu fördern, die als unrechtmäßig oder unethisch entzogen gelten und die während der Kolonialzeit außer Landes gebracht wurden. Dies erfolgt unter Berücksichtigung der Interessen der Beteiligten am Rückgabeprozess. Dabei wurde vorgeschlagen, mit der Restitution jeweils eines Objektes aus den vier kamerunischen Kulturregionen zu beginnen. Ebenso sollen Objekte, deren Unrechtskontext eindeutig erforscht ist und bei denen der Rückgabeprozess eingeläutet werden kann in dieser ersten Phase berücksichtigt werden. Dieser Vorschlag wird von Kameruner Seite noch mit den kamerunischen Entscheidungsträgern abgestimmt werden. Die deutschen Museen übermitteln dem Komitee eine Übersicht der in Deutschland auf Bundes- und föderaler Ebene nötigen formalen Schritte für Rückgaben.

2. Die Stimme Kameruns

Die Teilnehmenden bekräftigen, einen inklusiven Dialog unter Einbeziehung der kamerunischen Gemeinschaften zu fördern. Die Zusammenarbeit zielt darauf ab, die Vielfalt der Akteure und ihre unterschiedlichen Anliegen zu hören, zu verstehen und in den Rückgabeprozess einzubeziehen.

Die deutschen Museen begrüßen, dass die kamerunische Regierung durch die Gründung des kamerunischen Interministeriellen Komitees einen einzigen, offiziellen Verhandlungspartner in Bezug auf den Restitutionsprozess geschaffen hat.

3. Zusammenarbeit bei der Identifizierung von Kulturgütern

Die Teilnehmenden wollen bei der Identifizierung von Kulturgütern aus Kamerun, die sich in deutschen Museen befinden, enger zusammenarbeiten. Dies umfasst die transparente Dokumentation und den Austausch relevanter Informationen.

Die deutschen Museen werden bis Ende Januar 2024 dem kamerunischen Komitee Listen ihres Bestandes kamerunischer Kulturgüter übermitteln.

4. Förderung des Dialogs und der Zusammenarbeit

Die Teilnehmenden wollen den regelmäßigen Austausch fördern, um ein tieferes Verständnis für die Sammlungen in Deutschland und die kulturelle Bedeutung der kamerunischen Kulturgüter zu entwickeln. Dies kann auch den Austausch von Expertise und Wissen und gegenseitige Besuche beinhalten.

5. Festigung der langfristigen Partnerschaft

Die Teilnehmenden bekunden ihre Absicht, eine langfristige Partnerschaft zu entwickeln, um nicht nur den Rückgabeprozess zu begleiten, sondern auch die kulturelle Zusammenarbeit und den Dialog zwischen deutschen und kamerunischen Museen langfristig zu fördern. Dies kann regelmäßige Treffen, Austauschprogramme und gemeinsame Projekte einschließen. Zur Definition weiterer Schritte wurde eine Delegationsreise der elf Museen nach Yaoundé im Jahr 2024 angeregt.


Ethnologisches Museum, Berlin
Übersee-Museum Bremen, Bremen
Städtisches Museum, Braunschweig
Weltkulturen Museum, Frankfurt
Museum am Rothenbaum, Kulturen und Künste der Welt, Hamburg
Landesmuseum Hannover, Hannover
Rautenstrauch-Joest-Museum, Köln
GRASSI Museum für Völkerkunde, Leipzig
Reiss-Engelhorn-Museen, Mannheim
Museum Fünf Kontinente, München
Linden-Museum Stuttgart, Stuttgart    


Pressemitteilung zum Dialogtreffen (pdf)

Stuttgarter Communiqué (pdf)