Khurasan

 

Eine Kulturlandschaft als Kerngebiet für die Ausprägung materieller Kultur der islamischen Welt und ihre Verortung in Sammlungen und musealen Präsentationen: Mit diesem Thema setzt sich bis 2017 das Forschungsprojekt „Khurasan – Land des Sonnenaufgangs“ der Otto-Friedrich-Universität Bamberg, der Staatlichen Museen zu Berlin Preußischer Kulturbesitz/Museum für Islamische Kunst und des Linden-Museums Stuttgart auseinander. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert.

Khurasan, eine verschwundene Kulturlandschaft

Khurasan, ehemals eine der wichtigsten Landschaften des islamischen Orients, ist heute fast von der Landkarte verschwunden. Das „Land des Sonnenaufgangs“ zwischen iranischem Hochplateau und Mittelasien war eine der wichtigsten Provinzen des Kalifats in seiner klassischen Zeit (8. - 10. Jahrhundert) und auch lange danach eine feste Größe in der kulturellen Geographie des Islamischen Orients. Aufgrund der staatlichen Entwicklungen in der frühen Neuzeit und der kolonialen Entwicklungen im 19. und 20. Jahrhundert wurde es politisch zerteilt und hat seine einstige Bedeutung verloren.

Kunstobjekte und Baudenkmäler im Fokus

Im Zentrum des Forschungsprojekts stehen Objekte und historische Baudenkmäler. Die islamische Kunst Khurasans, seien es Gebrauchsgegenstände in elegantem Design oder beeindruckende Bauwerke, hat seit langem einen großen Reiz auf Käufer, Sammler und Kunsthistoriker ausgeübt. An den Objekten entwickelt sich die zentrale Fragestellung, wie sich die historische Landschaft Khurasan anhand künstlerischer Objekte definieren und rekonstruieren lässt. Dabei werden sowohl innere Strukturen und kulturhistorische Entwicklungen in Khurasan als auch Beziehungen zu benachbarten Regionen in den Blick genommen. Ziel ist eine strukturierte Beschreibung der weit verstreuten Zeugnisse materieller Kultur von frühislamischer Zeit bis zum Ende der kulturellen Führungsrolle der Region. Materielle Basis sollen vornehmlich Objektgruppen in Museen sein, von denen sich insbesondere Metallarbeiten und Keramiken anbieten. Hinzu treten ausgewählte Baudenkmäler als Objekte, an denen sich regionale Zugehörigkeiten anhand formaler Kategorien gut abgrenzen lassen. Darüber hinaus wird untersucht, ob Khurasan als historische Landschaft in musealen Präsentationen in der Region heute eine Rolle spielt und wie Kunstwerke des islamischen Khurasan mit historischen Begriffen verknüpft werden.

Ergebnisse des Forschungsprojekts sollen auch in die Ausstellung von Museumsbeständen in Stuttgart und Berlin (Neuaufstellung im Pergamon-Museum) einfließen.

Das Projekt gliedert sich in drei Arbeitsgruppen Keramik, Architektur und Metallarbeiten: Letztere ist unter Leitung von Dr. Annette Krämer am Stuttgarter Linden-Museum und der Universität Bamberg lokalisiert. Sie widmet sich zunächst auf der Basis typologischer Vergleiche und naturwissenschaftlicher Analysen der chronologischen und geographischen Zuordnung von Metallarbeiten, die sich durch aufwendige Gusstechnik und reichen Dekor auszeichnen. Auf einer zweiten Stufe schließt sich die Frage an, welche technologischen und künstlerischen Innovationen von Khurasan für andere Regionen ausgingen.

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Pressefotos

 

Leuchter mit Tierkampfszenen, Khurasan (Afghanistan), 1166, Copyright: Linden-Museum Stuttgart, Foto: A. Dreyer, Inv.-Nr. A 41.305 ǀ Download


Schultertopf, Messing, Khurasan (Afghanistan), 12. Jh., Copyright: Linden-Museum Stuttgart, Foto: A. Dreyer, Inv.-Nr. A 38223 L ǀ Download


Tintenfass, Bronze, Silber- und Kupfertauschierung, Khurasan, ca. 12. Jh., Copyright: Linden-Museum Stuttgart, Foto: A. Dreyer, Inv.-Nr. A 36050 L ǀ Download