Die Farben Chinas

Monochrome Porzellane aus der Sammlung Dr. Georg Büchner

2. April bis 3. September 2017

Das Linden-Museum Stuttgart zeigt von 2. April bis 3. September 2017 in der Kabinett-Ausstellung „Die Farben Chinas“ monochrome Porzellane aus der Sammlung Dr. Georg Büchner.

Porzellan gehört zu den großen chinesischen Erfindungen. Dabei beruht die Schönheit der Töpferarbeiten auf dem perfekten Zusammenspiel von Form, Glasur und Dekor. Wo auf Dekore verzichtet wird, liegt das Augenmerk ganz auf der schlichten Eleganz des farbigen Überzugs. Bis zum Ende der Kaiserzeit gelang es den chinesischen Töpfern durch ihr umfassendes Wissen über Ton, Glasuren und Farbkörper sowie durch die meisterhafte Kontrolle der Brennbedingungen, Farben zu erzeugen, die an das helle Blau eines klaren Himmels, an rote, zart gesprenkelte Bohnenkerne oder die glänzend polierten Oberflächen von Bronzespiegeln erinnern.

Den Töpfermeistern der Qing-Zeit (1644 – 1911) dienten dabei die klassischen Keramiken der Song-Zeit (960 – 1279) oder die monochrom glasierten Porzellane der Ming-Zeit (1368 – 1644) als Vorbilder, gleichzeitig entwickelten sie jedoch auch neue, außergewöhnliche Farbtöne, um den anspruchsvollen Wünschen ihrer Kundschaft, vor allem dem Kaiserhof, gerecht zu werden. Von der herrschenden Vorliebe für Altertümer beeinflusst, entstand manches ihrer Gefäße in Nachahmung antiker Bronzen. Die faszinierende Farbpalette sowie die Formenvielfalt dieser späten monochromen Porzellane werden beispielhaft durch die Sammlung Dr. Georg Büchner illustriert, von der das Linden-Museum Stuttgart erstmals eine repräsentative Auswahl als Kabinett-Ausstellung präsentiert.

Eröffnungsprogramm am 2. April, 14 Uhr

Nach Grußworten von Prof. Dr. Inés de Castro und Dr. Melitta Büchner-Schöpf (in Vertretung von Dr. Georg Büchner) hält die Kuratorin Dr. Uta Werlich zur Eröffnung der Ausstellung am Sonntag, 2. April, um 14 Uhr einen Vortrag unter dem Titel „Wo das weiße ‚Gold‘ seinen Ursprung hat“ über chinesisches Porzellan und seinen Einfluss in der Welt. Zhang Zhenfang wird den Vortrag auf der Kniegeige Erhu musikalisch umrahmen und anschließend in der Ausstellung auf der Harfe Guzheng spielen. Kinder ab 6 Jahren sind um 14 Uhr zur Führung „Von zerbrechlichen Pferden, Tänzerinnen und Vasen“ und von 15 bis 17 Uhr zum offenen Töpfer-Workshop mit der Keramikerin Katrin Schreiber eingeladen.

Pressemitteilung pdf

Pressefotos


Copyright: Linden-Museum Stuttgart, Foto: A. Dreyer | Download


Vase in Form des Weingefäßes gu
Porzellan mit rostfarbener Glasur
China, 18. Jh.
Copyright: Linden-Museum Stuttgart, Foto: A. Dreyer

Das Weingefäß gu diente in der chinesischen Frühgeschichte dem Darbringen von Trankopfern. Hier wurde die rostfarbene Glasur bewusst gewählt, um das aus dem wertvolleren Material Bronze gefertigte Vorbild bestmöglich zu imitieren. Die Gliederung des Gefäßkörpers in drei Abschnitte – Fuß, Mittelteil und Hals – ist gut nachvollziehbar. |
Download


Rouleau-Vase
Porzellan mit puderblauer Glasur
China, Kangxi-Ära (1662-1722)
Copyright: Linden-Museum Stuttgart, Foto: A. Dreyer

Blaue Glasuren, die durch den Zusatz von Kobalt erzielt werden, gehen auf die Yuan-Zeit (1271-1368) zurück. Für die sogenannte puderblaue Glasur wird fein zerriebenes Kobaltpigment mit einem gazebespannten Bambusrohr auf den rohen Scherben geblasen. Die Farboberfläche erhält so ihre charakteristische Sprenkelung. Die für den hier gezeigten Vasentyp übliche französische Bezeichnung „rouleau“ spielt auf den walzenförmigen Gefäßkörper an. |
Download


Hochrechteckige Vase
Porzellan mit bläulich-grauer, krakelierter Glasur
China, 18./19. Jh.
Copyright: Linden-Museum Stuttgart, Foto: A. Dreyer

Mit quadratischem Körper und runder Mündung bildet die Vase eine Jaderöhre (cong) nach, die im alten China ein Statussymbol und vermutlich rituell bedeutsam war. Das zweifarbige Krakelee wird im Chinesischen treffend als „jinsi tiexian“ (Goldfäden und Eisendrath) beschrieben. |
Download


Pinselwascher
Porzellan mit claire-de-lune-Glasur
China, Marke der Kangxi-Ära (1662-1722)
Copyright: Linden-Museum Stuttgart, Foto: A. Dreyer

Die bei hohen Temperaturen gebrannte hellblaue Glasur, die in China als „tianlan“ (Himmelblau) bezeichnet wird, kam in der Regierungszeit der Kangxi-Kaisers (reg. 1662-1722) in Gebrauch. Der hellblaue Farbton ist auf die sparsame Verwendung von Kobalt zurückzuführen: Für das Himmelblau wurde gerade 1 % des Pigments der Glasurmasse beigemischt. |
Download


Spucknapf
Porzellan mit hellgelber Glasur
China, eingeritzte Marke „Tihedian zhi“, Guangxu-Ära (1875-1908)
Copyright: Linden-Museum Stuttgart, Foto: A. Dreyer

Die Außenwandung trägt einen fein gravierten glückverheißenden Dekor aus zerklüfteten Felsen, früchtetragenden Pfirsichbäumen sowie Fledermäusen mit Swastika-Motiven. Die auf dem Boden eingravierte Marke „Tihedian zhi“ (gefertigt für die Halle der offenkundigen Harmonie) bezeichnet Porzellane, die für den persönlichen Gebrauch der Kaiserinwitwe Cixi (1835-1908) bestimmt waren. Wie bei Palastwaren üblich, die für den Gebrauch des Kaisers, seiner Mutter oder seiner Gattin bestimmt waren, wurde auch dieses Gefäß auf Außen- und Innenseite gelb glasiert. |
Download


Pinselwascher
Porzellan mit peach-bloom-Glasur
China, Marke der Kangxi-Ära (1662-1722), aber wohl 19. Jh.
Copyright: Linden-Museum Stuttgart, Foto: A. Dreyer

Porzellane mit sogenannter „peach bloom“ oder Pfirsischblüten-Glasur erinnern in ihrer Farbigkeit an die Haut heranreifender Pfirsiche. In China ist die Farbgebung dagegen unter der Bezeichnung „jiangdou hong“ (Augenbohnenrot) bekannt. Die kupferbasierte Glasur verwandelt sich im Brand in ein zartes Rosa mit grünen und braunen Flecken, die hier sehr markant zu sehen sind. Sie stellt eine Neuerung der in Jingdezhen ansässigen Manufakturen der Kangxi-Ära (1662-1722) dar. Die Schwierigkeiten beim Brennen der Glasur waren mit ein Grund, weshalb man sie besonders oft auf kleinformatigen Objekten, die für das Studierzimmer des Gelehrten bestimmt waren, findet. |
Download


Eiförmige Vase
Porzellan mit grüner, krakelierter Glasur
China, 19. Jh.
Copyright: Linden-Museum Stuttgart, Foto: A. Dreyer

Den Gefäßkörper überzieht eine gräuliche Glasur mit einem dichten, dunkel eingefärbten Krakelee, über die eine apfelgrüne Glasur aufgeschmolzen wurde. Die helle Glasur mit ihrer rissigen Oberfläche ist auf der Innenseite der Gefäßmündung gut sichtbar. Die bewusst herbeigeführten dekorativen Risse entstehen während des Brennvorgangs, wenn sich die Glasur stärker zusammenzieht als der darunterliegende Scherben. |
Download


Kleine Vase in Amphorenform
Porzellan mit peach-bloom-Glasur
China, Marke der Kangxi-Ära (1662-1722), aber 19. Jh.
Copyright: Linden-Museum Stuttgart, Foto: A. Dreyer

Vasen wie diese wurden 1889 anlässlich der Hochzeit des damals siebzehnjährigen Guangxu-Kaisers (reg. 1875-1908) als Geschenk gereicht. Der Fuß der Vase ist unglasiert, da die Keramik, wie hier zu sehen, in einem hölzernen Standfuß präsentiert werden sollte. Ihrer eleganten Form wegen wird der Vasentyp im Chinesischen als „liuye ping“ (Weidenblatt-Vase) bezeichnet. |
Download