Abrollung der Gabelhalsflasche, "Kokazeremonie" (Inventarnr. 093387)
Moche-Kultur, Phase IV, Mitte 5. bis Mitte 6. Jh. n.Chr.
Die auf dem Gefäß, das ursprünglich vermutlich Chicha, Maisbier, enthielt, dargestellte Szene zeigt den Verlauf einer Kokazeremonie. Die Umhängebeutel, in ähnlicher Form auch heute noch in Gebrauch, enthalten die Kokablätter, die kleinen Gefäße in den Händen der Priester Kalk, der mit einem Spatel entnommen wird. Kokablätter müssen zusammen mit Kalk gekaut werden, damit sich das berauschende Alkaloid löst. Die Verwendung von Kokablättern war in der präkolumbischen Zeit streng auf die religiöse Elite beschränkt. Die Kleidung der an der Zeremonie teilnehmenden Männer zeigt ihre hohe gesellschaftliche Stellung. Sie tragen aufwendig gearbeitete Textilien sowie reichen Kopf-und Ohrschmuck. Die Zeremonie selbst kann noch nicht gedeutet werden. Die doppelköpfige Schlange stellt nach Ansicht einiger Forscher den Abendhimmel, nach anderer Meinung einen Berg, oder aber Amaru, die mythische Schlange, dar. Die mythische Schlange stieg zu Urzeiten in den Himmel auf und kehrt als Regen und Fruchtbarkeit bringender Blitz auf die Erde zurück. Die Kokazeremonie diente möglicherweise zur Erbittung von Regen und Fruchtbarkeit, ein zentrales Thema der Oasenkulturen der peruanischen Küste.