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Amazonien

LebensRäume - LebensRituale - LebensRechte.
11.10.2002 - 31.08.2003


Mit dieser Sonderausstellung gibt das Linden-Museum Stuttgart einen umfassenden Einblick in den Kulturraum Amazonien. Beginnend mit der Archäologie führt die Ausstellung über einen Abriss der Geschichte der indigenen Völker hin zur Ökologie Amazoniens und zur indianischen Wirtschaftsweise. Im zweiten Teil der Ausstellung werden drei indianische Gruppen anhand ihrer Rituale präsentiert.

LebensRäume
Der Begriff "Amazonien" umfasst ein Kulturareal, das über den gesamten tropischen Regenwald im Gebiet des Amazonas und seiner Nebenflüsse bis hin zu den Anden reicht. Der durch archäologische Objekte belegte lange Besiedlungszeitraum Amazoniens (ca. 20.000 Jahre) und die intensive Bewirtschaftung durch die Ureinwohner legt nahe, den Regenwald Amazoniens nicht als "Urwald" sondern als indianische Kulturlandschaft zu betrachten.

LebensRituale
Um ein möglichst breites Spektrum indianischen Lebens in Amazonien zu zeigen, wurden drei heute in Brasilien und Kolumbien lebende Indianergruppen ausgewählt: Die Kubeo, Kaiapó und Karajá, die unterschiedliche kulturelle Ausformungen entwickelt haben und sich trotz großer, grundlegender Gemeinsamkeiten in ihrer materiellen Kultur stark unterscheiden. So kontrastieren Tanzkostüme aus Rindenbast, kunstvoll geflochtene Körbe und andere für Nordwestamazonien (Kubeo) typische Objektgruppen mit dem prachtvollen Federschmuck der Kaiapó und Karajá. Die Religion strukturiert das Leben der indianischen Völker, indem sie durch Rituale einen bestimmten Lebensrhythmus vorgibt. Einzelne Stationen dieses Rhythmus (Namensgebungs-Zeremonien, Geistertanz, Totenfeste) sind mit monatelangen Festen verbunden, für die unter anderem prächtiger Federschmuck, Musikinstrumente und Tanzkostüme entwickelt wurden.

LebensRechte
Ein weiteres Kriterium für die Auswahl gerade dieser drei Gruppen ist ihre Antwort auf aktuelle Herausforderungen, was dem starken Gegenwartsbezug der Ausstellung Rechnung trägt. Die Kubeo Nordwestamazoniens, deren Territorium auf dem Gebiet der heutigen Republik Kolumbien liegt, sind in den letzten Jahren mit bürgerkriegsähnlichen Zuständen konfrontiert, was ihre bisherige Situation, die von Eingriffen der Cocapflanzer und Kokainhersteller gekennzeichnet war, zusätzlich erschwert. Andererseits bietet Kolumbien als einziges Land Lateinamerikas mit einer neuen Verfassung, die eine multiethnische Bevölkerung (im Gegensatz zur bisher erwünschten Mestizengesellschaft) manifestiert, neue Möglichkeiten für die Entwicklung einer starken indianischen Identität sowie zur Einforderung von Rechten und besseren Lebensbedingungen. Die Kaiapó hingegen siedeln wie die Karajá in Brasilien, am Südostrand Amazoniens. Ihre Geschichte ist von Vertreibung und immer wiederkehrenden gewaltsamen Einwirkungen gekennzeichnet. Dies führte zu einem sehr ausgeprägten Festhalten und Pflegen der geistigen sowie der materiellen Kultur. Die Kaiapó sind eine der Gruppen Amazoniens, die versuchen, ihr Territorium und ihre Rechte gewaltsam zu verteidigen und vor internationalen Gremien wie der UNO einzufordern. Die Karajá wiederum wählten einen anderen Weg, den der Kooperation. Ihr Versuch, mit der Erbauung eines Hotels und der Anwerbung von Touristen zusätzliches Geld zu verdienen, scheiterte. Die Auswirkungen eines solchen Versuchs und die Konsequenz seines Scheiterns beleuchten wichtige Aspekte eines immer wieder diskutierten "sanften Tourismus". Die Ausstellung "Amazonas-Indianer" bietet optisch äußerst attraktive Objekte. Neben den bereits erwähnten Tanzkostümen, die teilweise aus dem 19. Jahrhundert stammen, werden spektakuläre Federräder, Federkronen, kunstvoll geflochtene Körbe und weitere bedeutende Objekte der Kulturen Amazoniens gezeigt. Einen Höhepunkt stellen auch die der Marajoará-Kultur entstammenden archäologischen Objekte dar, die einen weitergehenden Einblick in die der Öffentlichkeit völlig unbekannten Archäologie des Amazonas- Beckens geben werden.


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