Es handelt sich dabei um:
1. Keramik für den Haushalt (Aufbau in Wulsttechnik und Härtung im Grubenbrand)
2. geflochtene Matten als Unterlagen zum Sitzen und Schlafen
3. Perlarbeiten aus Glasperlen, wie sie früher vermutlich vor allem aus Idar-Oberstein und Venedig, seit ca. 1950 aus dem tschechischen Jablonec (Gablonz) eingeführt wurden (Perlenstoff-Bildung in den Techniken u.a. des Halbflechtens und der Bindung der Perlen)
Während unter dem Zulu-König und Reichsgründer Shaka (1817-28) Glasperlen als königliches Monopol der Oberschicht vorbehalten waren, durften sie ab 1840 unter König Mpande und erst recht ab 1879 nach der britischen Eroberung des ganzen Zulu-Reiches von allen getragen werden. Die üppigen Perlarbeiten, für die die Zulu-Kultur weltweit bekannt ist, sind also auch Ausdruck einer Nivellierung der sozialen Schichten. Seit dieser allgemeinen Verbreitung stehen Glasperlen in ihrer unterschiedlichen Gestaltung bei den Zulu für die ethnische, regionale, religiöse und soziale Identität ihrer Träger/innen. Es handelt sich bei diesen Perlarbeiten überwiegend um Festtagsschmuck bzw. -kleidung.
Junge Mädchen stellen Perlschmuck nicht nur für sich selbst her, sondern auch als Geschenke für den von ihnen favorisierten jungen Mann, der dann bei Hochzeits- oder Initiationsfesten teilweise sogar ähnliche Typen von Perlarbeiten trägt wie die Mädchen selbst. Je mehr Freundinnen er hat und je mehr Perlarbeiten er dementsprechend trägt, desto angesehener ist er, während für ein Mädchen, entsprechend den Regeln der in Afrika verbreiteten Polygynie, gleichzeitig nie mehr als ein Liebhaber in Frage kommt. Andere Typen von Perlarbeiten sind den Mädchen vorbehalten wie die knappen Schürzchen und Gürtel, die nach der Heirat durch großflächigere Kombinationen ersetzt werden, in die Ende des 19. Jahrhunderts dazu noch Duikerantilopen-Leder und Messingnägel verarbeitet wurden.
Christen tragen die als „heidnisch“ angesehenen Perlarbeiten bei den Zulu nicht mehr, wohl aber noch die Anhänger der traditionellen Religion und der der Nasiräer. Aus der baptistischen Mission hervorgegangen, wurden die Nasiräer 1911 von dem Zulu-Propheten Isaiah Shembe gegründet und sind inzwischen als eigene Religionsgemeinschaft aufzufassen, da sie in Shembe den wiedergekommenen Christus verehren. Gelegentlich auf Perlarbeiten auftretende Kreuzmotive, ob bei den Nasiräern oder den Anhängern der traditionellen Zulu-Religion, dürften jeweils christlichem Einfluss zu verdanken sein.
Die gemeinhin als „Liebesbriefe“ bezeichneten rechteckigen Halsschmuck-Elemente werden bei den Zulu seit ca. 1900 von Mädchen entweder selbst getragen oder aber wieder dem favorisierten jungen Mann zum Geschenk gemacht. Je nach Region oder persönlicher Entscheidung der Herstellerin können die auf ihnen abgebildeten abstrakten Figuren positive Liebesbotschaften, aber auch Ärger über Zurückweisung bedeuten, müssen dies aber nicht in jedem Fall. Die Farben der Perlen können dann eine besondere Bedeutung tragen, so Weiß für Liebe und Reinheit, Rosa für Armut, Gelb für Reichtum. Ganz allgemein kann bei Perlarbeiten der Zulu auch Schwarz für Tiefgründigkeit stehen und Hellblau für Reife und Fruchtbarkeit. Lavendelblau wird mit einer Taubenart gleicher Farbe assoziiert und bedeutet, an den geliebten jungen Mann gerichtet: Ich beneide die Taube, die die Maiskörner an der Tür deiner Mutter aufpickt!
Hantelförmige Puppen sollen bei den Zulu früher für Bräute hergestellt und am Körper getragen worden sein. Andere perlverzierte Puppen dienten Mädchen noch vor rund 50 Jahren als Geschenke für ihre Liebhaber.
Die zylindrischen perlverzierten Puppen der Pedi jedoch gelten jeweils als rituelle Stellvertreterin für das von einer jungverheirateten Frau erwartete erste Kind. Ihre jungen Schwägerinnen, die später vor allem auf dieses Kind aufpassen werden, spielen mit dieser Puppe und erlernen dabei den angemessenen Umgang mit einem Kleinkind. Sobald dann das Kind geboren worden ist und kräftig genug erscheint, wird die Puppe gewöhnlich zerstört. Dies geschieht, damit niemand mit der Puppe als rituellem Pendant Schadensmagie gegen das Neugeborene betreiben kann. Es stellt also eine Ausnahme dar, wenn Pedi-Puppen noch länger der Nachwelt überliefert werden.
Daten zu Südafrika
Republik Südafrika: Fläche 1.219.090 km² (Deutschland 357.030 km²), Einwohner (2003) 45.829.000 (Deutschland 82.541.000), Hauptstadt Tshwane
Sprachen: u.a. 24 % isiZulu, 18 % isiXhosa, 13 % Afrikaans, 9 % Sepedi, 8 % Englisch, 8 % Sesotho
Religionen: ca. 80 % Christen (u.a. 32 % afrikanische Kirchen, 12 % Reformierte, 8 % Pfingstkirchen, 7 % Methodisten, 7 % Römische Katholiken, 4 % Anglikaner, 3 % Lutheraner), 9 % ethnische Religionen, 2 % Muslime, 1 % Hindu; Nasiräer
Kurator: Dr. Hermann Forkl