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... mehr als nur Gäste

Demokratisches Zusammenleben mit Muslimen in Baden-Württemberg
25.11.2006 - 25.03.2007
Die von der Landeszentrale für politische Bildung konzipierte Ausstellung ist die bisher umfangreichste Präsentation zum Thema Zusammenleben mit Muslimen in Baden-Württemberg. Im Zentrum stehen die Menschen und ihr soziales Umfeld.

Ausstellungskonzept

Die Ausstellung nimmt die konkrete Lebenssituation von Muslimen in Baden-Württemberg als Ausgangspunkt. Die religiösen, sozialen und historischen Hintergründe, die prägend für Muslime und das Zusammenleben mit der Aufnahmegesellschaft sind, werden erörtert. Im Vordergrund stehen die Menschen und ihr soziales Umfeld. Nachdem die Ausstellung bereits – jeweils leicht modifiziert – in Karlsruhe, Lörrach und Ulm gezeigt wurde, ist die Landeshauptstadt als Höhepunkt vorgesehen.

Das Linden-Museum Stuttgart als moderne Ausstellungs- und Bildungsinstitution sensibilisiert für die Dynamik (inter)kultureller Prozesse, indem es Lebenswelten und kulturelle Identitäten auf anschauliche, inspirierende Weise vermittelt. Das Museum verfügt deshalb über ideale Voraussetzungen, um die Themen von „… mehr als nur Gäste“ zu vertiefen: Durch die Verknüpfung der gegenwartsbezogenen Sonderausstellung der Landeszentrale mit den Inhalten der Dauerausstellung „Der Islamische Orient – Annäherung an eine Weltkultur“ wird den Besuchern ein tieferes Verständnis für die islamische Welt ebenso wie für „Muslime unter uns“ ermöglicht.

Das Linden-Museum Stuttgart entwickelte in Zusammenarbeit mit der Landeszentrale für politische Bildung und der Stabsabteilung für Integrationspolitik der Landeshauptstadt Stuttgart ein umfangreiches Begleitprogramm, das einen nachhaltigen Beitrag zum interkulturellen Dialog in der Region leisten soll.

 Zielsetzungen

Die Zielgruppe der Ausstellung umfasst breite Kreise der Bevölkerung, insbesondere werden Jugendliche und Schulklassen angesprochen. Die Ausstellung soll für Menschen jeglichen religiösen Hintergrunds ansprechend sein und nimmt daher eine möglichst neutrale Sichtweise ein. Es wird eine vorurteilsfreie Auseinandersetzung mit dem Thema angestrebt – religiöse Klischees werden sachlich erörtert statt bestätigt. Das heißt aber nicht, dass Konfliktpotenziale ausgeklammert werden.
Problemfelder werden offen benannt und eine faire Auseinandersetzung mit ihnen wird gefördert. Es gibt keine einfachen Lösungsansätze; sie müssen differenziert auf verschiedene Bedürfnisse und Lebenssituationen eingehen. Die Ausstellung zitiert kein „langweiliges Bücherwissen“, sondern ist so wirklichkeitsnah und aktivierend gestaltet, dass sie für ein jüngeres wie älteres Publikum attraktiv und interessant ist. Fertige Antworten kann und will die Ausstellung nicht liefern, sehr wohl aber Denkanstöße, sich aufgrund der angebotenen Informationen selbst mit dem Thema zu beschäftigen oder sogar im interkulturellen Dialog aktiv zu werden.

Hintergrund

Baden-Württemberg hat bei ca. 10,5 Millionen Einwohnern einen ausländischen Bevölkerungsanteil von über 12 Prozent; über ein Viertel davon besitzt einen türkischen Pass. Deren überwiegende Mehrheit sieht sich als Muslime. Hinzu kommen Deutsche mit aus der Türkei, Bosnien und anderen islamisch geprägten Regionen eingewanderten Vorfahren sowie eine kleine Zahl von deutschen Konvertiten. Die islamische Religionsgemeinschaft ist mit über drei Millionen geschätzten Gläubigen die zweitgrößte Religionsgemeinschaft Deutschlands. Am Thema "Islam" führt damit kein Weg mehr vorbei. Bürger und Gemeinden sehen sich damit konfrontiert, dass Menschen unter ihnen leben, die sowohl Teil unserer Welt wie auch Teil der Heimat ihrer Vorfahren sind. Die Kinder der ehemaligen Arbeitsmigranten, heute teils in der vierten Generation, sind häufig hin und her gerissen zwischen zwei Gesellschaftsordnungen, die vielfach kompatibel, aber nicht deckungsgleich sind. Ohne Zweifel besteht die Notwendigkeit, die begonnenen Integrationsprozesse zu vertiefen und fortzuführen. Dabei ist Integration nur als eine gegenseitige Bewegung vorstellbar. Sie verlangt Aufnahme- und Konfliktbereitschaft von beiden Seiten. Bei Themen wie "Kopftuchurteil", "Islamischer Religionsunterricht", "Moscheebau" oder "Schächten" werden wesentliche Konfliktlinien offenbar. Oftmals zeigt sich, wie wenig man über seine muslimischen Nachbarn wirklich weiß. Unwissenheit verunsichert, Vorurteile können entstehen. Hinter Stichworten wie "Islam", "Fremde", "Migration" oder "Globalisierung" verbergen sich sehr komplexe Prozesse, die sich den Menschen nicht leicht erschließen. Die Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg setzt sich deshalb das Ziel, aktuelle und gesellschaftlich relevante Themen aufzugreifen. Sie bietet ein überparteiliches Forum, in dem umstrittene politisch-kulturelle Fragen diskutiert werden können.

Die Terroranschläge vom 11. September 2001 und die weiteren Anschläge sowie der Krieg im Irak führten noch einmal drastisch vor Augen, dass das Bemühen um Information, Integration und ein friedliches Miteinander nicht aufhören darf. Viele Nachfragen von Schulen und interessierten Bürgern zeigen, dass beim Thema "Islam" nach wie vor Informationsdefizite und ein großer Klärungsbedarf bestehen. Die Landeszentrale für politische Bildung reagiert auf dieses Interesse. Das Projekt "...mehr als nur Gäste - demokratisches Zusammenleben mit Muslimen in Baden-Württemberg" knüpft an die aktuelle Situation, an Brennpunkte in der deutschen und internationalen Politik an. Das Ziel ist es, die Bürger des Landes zu ermutigen, sich aktiv, konstruktiv und couragiert in den Verständigungsprozess einzumischen.

Führungen

Im Rahmen des vom Bundesministerium des Innern geförderten Bildungsprogramms „Dialog Führen“ führen Muslime und Nichtmuslime gemeinsam durch die beiden Islam-Ausstellungen. Fragen und Diskussionen sind dabei nicht nur erwünscht, sondern werden gezielt vom Führungsteam angeregt. Diese Tandemführungen im Zeichen des Dialogs mit Muslimen sind Schwerpunkt der Publikumsführungen.

Als buchbares Programm richtet sich „Dialog Führen“ vor allem an Schulklassen als Projekt im Rahmen des Religions- bzw. Ethikunterrichts, kann aber in begrenztem Umfang von anderen interessierten Gruppen gebucht werden. Spezielle Fortbildungen zum Thema werden aktuell auf der Homepage angekündigt bzw. sind auf Anfrage buchbar.

Führungsanmeldung für Gruppen

Dienstag, 13 bis 17 Uhr
Mittwoch, 9 bis 14 Uhr
Telefon 0711.2022-579
Fax 0711.2022-590
fuehrung@lindenmuseum.de
Anmeldefrist: 3 Wochen vor Führung
Hinweis: Führungen in türkischer Sprache bieten wir auf Wunsch gerne an.

Partner

Partner der Ausstellung sind die Landesstiftung Baden-Württemberg und die Landeshauptstadt Stuttgart. Das vertiefende Bildungsprogramm „Dialog Führen“ wird gefördert vom Bundesministerium des Innern. Conti-Reisen unterstützt das Begleitprogramm.

  

 




Zur Galerie der Ausstellung

Zum Pressebereich

Ausführliche Informationen: www.mehr-als-nur-gaeste.de

Veranstaltungen anderer Anbieter im erweiteren Rahmenprogramm:

20. März 2007, 17.30 Uhr
Schritte zur Integration
Perspektiven der Bundesländer für die Einführung von Islamischen Religionsunterricht
Ort: Tagungszentrum Hohenheim, Paracelsusstr. 91, Stuttgart. Voranmeldung erforderlich
Veranstalter: Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart
Nähere Informationen: www.akademie-rs.de