Peter van Ham bereist diese Region seit zwei Jahrzehnten und bekam wie kaum jemand sonst Einsichten in deren kulturelle Vielfalt. Seine fotografischen und filmischen Dokumentationen geben Einblick in atemberaubende Landschaften, einmalige Rituale, kaum zugängliche Klöster, Kunstwerke, Feste und Alltagsleben. Ergänzt werden diese durch zum Teil erstmalig veröffentlichte historische Aufnahmen, die zu den ältesten Bilddokumenten des Himalaya überhaupt zählen. Komplettiert wird die Ausstellung durch herausragende Objekte der seltenen kashmirischen Kunst aus dem Westhimalaya.
Der Westhimalaya
Der Westhimalaya ist eine der beeindruckendsten Hochgebirgsregionen der Erde, weite Sandwüsten wechseln sich ab mit subtropischen Wäldern und 7000 Meter hohen Schneegipfeln. Die Region ist ein Schmelztiegel von Kulturen, die aufgrund der Abgeschiedenheit ihre einzigartige Originalität über Jahrtausende hinweg bewahren konnten. Auf wichtigen Handelsrouten wurden philosophische Ideen, Religionen und Kunststile verbreitet. Hinduismus und Buddhismus vermischen sich hier mit uraltem Geisterglauben und der Verehrung von Fruchtbarkeitsgöttinnen. Der Westhimalaya ist eines der letzten Refugien des tibetischen Buddhismus, in dessen Klöstern ein in Tibet nahezu zerstörtes Kulturerbe noch bewahrt wird.
Indiens Tibet – Tibets Indien
Politisch gesehen gehört die Region heute zu den indischen Bundesstaaten Himachal Pradesh, Jammu und Kashmir, aber schon einer der ersten Europäer, der diese Gegend bereiste, August Hermann Francke, sprach von „Indiens Tibet“, um den Einfluss Indiens auf den frühen tibetischen Buddhismus im Westhimalaya herauszustellen. Ab dem 7./8. Jahrhundert kamen indische Weise und Heilige nach Tibet, um die Menschen dort im Buddhismus zu unterweisen. Tibetische Gelehrte wiederum gingen nach Indien, um in die Lehren des indischen Buddhismus eingeführt zu werden. Indische Sanskrit-Texte wurden ins Tibetische übersetzt, bevor sie in Indien selbst verloren gingen. So entwickelten sich einige der schönsten Stile buddhistischer Kunst, geschaffen von indischen Künstlern, die tibetische Klöster des Westhimalaya ausschmückten. Heute liegt es nahe, die Region als „Tibets Indien“ zu bezeichnen, bietet sie doch Zufluchtsstätte für Tausende tibetischer Flüchtlinge und deren gelebte religiöse Tradition.
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